TTIP

Fluch oder Segen für Europa?

Was ist TTIP?

Der Name TTIP tauchte in der Öffentlichkeit erstmals im Februar 2013 auf. US-Präsident Obama gab in seiner Rede zur Lage der Nation bekannt, ein Freihandelsabkommen mit der EU schließen zu wollen. Gleichzeitig begannen sowohl auf US-amerikanischer Seite als auch von der EU die Verhandlungen, die bis heute nicht abgeschlossen sind. Laut Zeitplan sollen die Ergebnisse im Herbst dieses Jahres vorliegen. Die Idee eines transatlantischen Freihandelsabkommens ist nicht neu: Schon in den 90ern gab es Verhandlungen, die in einem Abkommen münden sollten, damals scheiterten sie aber am Widerstand der Öffentlichkeit.

Verschafft euch einen Eindruck von den  veröffentlichten TTIP Verhandlungsdokumenten

Was erhoffen sich deutsche Unternehmen von TTIP?

TTIP steht für den Abbau von Handelshemmnissen wie z.B. Zöllen. Im letzten Jahr haben deutsche Unternehmen mehr als 3,5 Milliarden Euro an Einfuhrzöllen bezahlt; vor allem mittelständische Unternehmen, die keine Chance haben, eine eigene Fertigung in den USA aufzubauen, hoffen auf den Fall der Zölle. Daneben regelt das Freihandelsabkommen Testverfahren und Konformitätsprüfungen auf einer standardisierten Basis, wodurch eine doppelte Lizensierung und Prüfung erspart werden kann.
Diese und weitere Bestandteile führen zu einer positiven Prognose für die deutsche Volkswirtschaft. Zugegeben optimistischen Studien des renommierten CEPR nach würde TTIP das BIP der EU bis 2027 um 120 Milliarden Euro steigern, was in etwa 545 Euro im Jahr pro Haushalt entspricht. Das ifo-Institut errechnete zudem, dass allein in Deutschland 110.000 neue Arbeitsplätze entstehen würden. Doch kann man den Prognosen trauen? Und wem nützt dieser Wachstum am Ende wirklich?

74%
der Unternehmen in Deutschland sind betroffen von TTIP
53%
sind unvorbereitet auf TTIP
81%
sprechen sich für einen Europäische Handelsgerichtshof und nicht für private Schiedsgerichte aus
50%
sind für TTIP
Ergebnisse einer Handelsblattstudie mit über 7000 deutschen Unternehmern

Was sind die Kritikpunkte?

TTIP schafft Wohlstand, Arbeitsplätze, spart Geld...und trotzdem protestieren zehntausende gegen das Freihandelsabkommen. Ist die Rechnung vielleicht doch zu einfach? Neben der Kritik, die Wachstumsprognosen basieren auf geschönten Annahmen, sodass der Effekt des Abkommens am Ende verpuffen könnte, verbinden viele Bürger TTIP plakativ mit zwei Dingen: Chlorhühnchen und Schiedsgerichte. Letztere beziehen sich auf den Investorenschutz, der Streitigkeiten abseits der staatlichen Gerichtsbarkeit regeln soll. Schon jetzt schreien mittelständische Unternehmen auf, da sie sich nicht in der Lage sehen, teure Anwaltskanzleien beauftragen zu können, um Verfahren zu ihren Gunsten zu entscheiden.
Natürlich ist das eben genannte Chlorhühnchen ein von den Medien hochstilisiertes Beispiel, um den Verbraucherschutz im Rahmen von TTIP zu betonen. Dahinter steht die Frage, ob die beiden Systeme USA und EU zueinander kompatibel sind. Ein supranationales Komitee für Verbraucherschutz soll Abhilfe schaffen, doch es wird von vielen Verbraucherverbänden angezweifelt, ob dieses Gremium wirklich unabhängig ist oder sehr leicht von Lobbyverbänden kontrolliert werden kann.
Doch sind die geäußerten Bedenken wirklich ernst zu nehmen oder nur leere Worthülsen einiger weniger Globalisierungsgegner?

TTIP Gegner bei Demonstration

Wie wollen wir bei forumWHU darüber reden und diskutieren?

Wir werden TTIP nicht innerhalb der drei Kongresstage in schwarz und weiß beantworten können. Doch was wir können, ist das Thema aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln zu beleuchten. Dazu bieten wir sowohl Einzelreden als auch kontroverse Diskussionsrunden an. Gerade das Thema TTIP regt zu Interaktionen mit den Teilnehmern an ,sodass du dich mit deinen Gedanken, Fragen und Bedenken einbringen und dich direkt an unsere Redner und Diskutanten wenden kannst. Wir freuen uns, für dieses Thema unter anderem Herrn Bernhard Mattes, Vorstandsvorsitzender der Ford-Werke Deutschland und Präsident der amerikanischen Auslandshandelskammer in Deutschland sowie Sabine Leidig, Geschäftsführerin der globalisierungskritischen Organisation Attac in Deutschland begrüßen zu dürfen. Wir sind uns sicher, dass Herr Mattes uns interessante Einblicke in die Welt eines multinationalen Konzerns bieten kann, der in Deutschland und den USA operiert, während wir von Frau Leidig spannende Eindrücke aus ihrem Streben für soziale und ökologische Gerechtigkeit erwarten können.

Sa. 19.11 - 3. Kongresstag
TTIP - Fluch oder Segen für Europa?
9:15 – 10:00 | Auditorium
Die Bedeutung und Rechtliche Umsetzung TTIP
Welche Rolle spielt TTIP für die europäische Staatengemeinschaft? Wie kann man gewährleisten, dass für alle Parteien das gleiche Recht gilt?
Prof. Dr. Heribert Hirte
Mitglied des Bundestages für die CDU, Ausschuss für Angelegenheiten der EU, Professor für Wirtschaftsrecht an der Universität Hamburg

Heribert Hirte, geboren 1958, ist seit 2013 Mitglied des Bundestages für die CDU und Professor für Handels- und Wirtschaftsrecht an der Universität Hamburg. Nach seinem Studium in Köln und einem Master an der University of California at Berkeley habilitierte Hirte 1994 und folgte dem Ruf der Universität Jena, wo er bis zu seinem Wechsel nach Hamburg im Jahre 2000 blieb. Daneben nahm Hirte mehrere Gastprofessuren u.a. in Seoul, Luxemburg und der Wirtschaftsuniversität Luigi Bocconi in Mailand an. Politisch war Hirte schon früh tätig, bereits als Jugendlicher engagierte er sich bei der Jungen Union. 2013 gewann er als Direktkandidat den Wahlkreis Köln II und zog in den Bundestag ein. Er ist Mitglied des Ausschuss für die Angelegenheiten der Europäischen Union und Vorsitzender des Stephanuskreises in der CDU/CSU Bundestagsfraktion.
Professor Heribert Hirte, geboren 1958, ist seit 2013 Mitglied des Bundestages für die CDU und Professor für Handels- und Wirtschaftsrecht an der Universität Hamburg. Nach seinem Studium in Köln und einem Master an der University of California at Berkeley habilitierte Hirte 1994 und folgte dem Ruf der Universität Jena, wo er bis zu seinem Wechsel nach Hamburg im Jahre 2000 blieb. Daneben nahm Hirte mehrere Gastprofessuren u.a. in Seoul, Luxemburg und der Wirtschaftsuniversität Luigi Bocconi in Mailand an.
Politisch war Hirte schon früh tätig, bereits als Jugendlicher engagierte er sich bei der Jungen Union. 2013 gewann er als Direktkandidat den Wahlkreis Köln II und zog in den Bundestag ein. Er ist Mitglied des Ausschuss für die Angelegenheiten der Europäischen Union und Vorsitzender des Stephanuskreises in der CDU/CSU Bundestagsfraktion.

Sein Statement zu TTIP
"Das Freihandelsabkommen wäre quasi ein Konjunkturprogramm für die deutsche Wirtschaft."

10:15 – 11:00 | Auditorium
Handelsabkommen oder Schutz der Heimischen Wirtschaft?
Welche Rolle spielt die Entwicklung eines Protektionismus' in einer globalen Welt? Teilt Freihandel die Welt in Gewinner und Verlierer?
Prof. Michael Frenkel
Professor für Makroökonomie und internationale Wirtschaftsbeziehungen, WHU - Otto Beisheim School of Management

Prof. Dr. Michael Frenkel, geboren 1954 in Offenbach, ist seit 1993 Inhaber des Lehrstuhls für Volkswirtschaftslehre, insbesondere Makroökonomik und internationale Wirtschaftsbeziehungen an der WHU – Otto Beisheim School of Management. Nach einer Bankkauflehre studierte er 1980 an der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz Wirtschaftswissenschaften. Im Anschluss arbeitete er als Ökonom bei der Weltbank und dem Internationalen Währungsfonds in Washington und nahm 1993 den Lehrstuhl an der WHU an. Neben seiner Tätigkeit an der WHU lehrte Frenkel zudem u.a. als Gastprofessor an der Harvard Summer School und der University of Michigan. Von 1996 bis 1998 und 2005 bis 2014 übernahm Frenkel das Rektoriat der WHU und ist seit 2004 akademischer Leiter von forumWHU.

Sein Statement zu TTIP:
„Der Begriff „Globalisierung“ ist heute nicht mehr positiv besetzt, sondern wird vielfach kritisch gesehen. Dabei scheint die Kritik vor allem aus jenen Ländern zu kommen, die am meisten von der Globalisierung profitiert haben.“

11:30 – 13:00 | Auditorium
Diskussionsrunde TTIP
TTIP verspricht tausende neue Jobs in Europa und treibt gleichzeitig Menschen auf die Straße. TTIP polarisiert wie kein zweites Thema in der Öffentlichkeit. Stoff für jede Menge Diskussionen.
Bernhard Mattes
Vorsitzender der Geschäftsführung der Ford-Werke in Deutschland

Bernhard Mattes, geboren 1958 in Wolfsburg, ist seit 2002 Vorsitzender der Geschäftsführung der Ford-Werke in Deutschland. Als Sohn eines Managers bei Volkswagen wurde Herr Mattes sehr früh von der Automobilwirtschaft beeinflusst. Nach seinem wirtschafts-wissenschaftlichen Studium an der Universität Hohenheim, startete er 1982 seine Karriere bei BMW.
1999 begann seine Zeit in Köln bei den Ford-Werken, indem er den Vorstandsposten für Vertrieb und Marketing übernahm. Drei Jahre später, 2002, wurde ihm der Vorstandsvorsitz angeboten, bis heute leitet Herr Mattes die Ford-Werke.
Seit 2013 ist Herr Mattes gewählter Präsident der American Chamber of Commerce in Germany. Die Auslandskammer fördert die globalen Handelsbeziehungen zwischen den USA und Deutschland. Während seiner zweiten Amtszeit will Herr Mattes das Freihandelsabkommen TTIP weiter forcieren und sagte in seiner Nominierungsrede „TTIP ist ein wichtiger Schritt für den gemeinsamen Weg.“

Sein Statement zu TTIP:
"TTIP kann auch eine Art Blaupause für weitere Freihandelsabkommen sein."

Hans-Jürgen Jakobs
Senior Editor Handelsblatt

Hans Jürgen Jakobs, geboren 1956, war von 2013 bis 2015 Chefredakteur der Fachzeitschrift Handelsblatt und ist zurzeit als Senior Editor tätig. Nach einem Studium der Volkswirtschaftslehre an der Universität Mainz startete Herr Jakobs seine journalistische Karriere bei der Mainzer Allgemeinen Zeitung, danach wurde er Chefredakteur des Branchenblattes Copy. Nach Stationen bei der Münchner Abendzeitung, dem Spiegel und der Süddeutschen Zeitung nahm er dann die Chefredaktion in Düsseldorf im Verlagshaus des Handelsblattes an. Neben seiner Tätigkeit bei den genannten Zeitungen ist Herr Jakobs außerdem als Autor aktiv. Mit Werken wie „Zukunft Arbeit“ und „Expertenforum Mittelstand – die neue Weltwirtschaft“ versucht er vor allem mittleren Unternehmen auf dem Weg in die Zukunft der Industrie zu helfen. Bereits 2015 war Herr Jakobs Gast bei forumWHU und beteiligte sich mit interessanten Gedanken an der Diskussionsrunde „Europa – quo vadis?“. Dieses Jahr freuen wir uns, dass er für uns als Teilnehmer der Diskussionsrunde
Freihandel das Thema TTIP beleuchten wird.

Sein Statement zu TTIP:
"Freiheit ist ein großes Wort. Auch der Begriff „Handel“ ist positiv besetzt. Waren werden getauscht, die Beteiligten einigen sich, eine Win-win-Situation ist die Regel. Wie konnte es dann passieren, dass "Freihandel" für Millionen Deutsche auf einmal zu einer Art Schimpfwort wird?"

Alexander Ulrich
Mitglied des Bundestages für die Partei "Die Linke"

Alexander Ulrich, geboren 1971 in Kusel, ist Mitglied des Bundestages und Landesvorsitzender der Partei „Die Linke“. Nach einem Hauptschulabschluss und einer Ausbildung zum Werkzeugmacher arbeitete Ulrich bei der Opel AG und engagierte sich dort im Betriebsrat. 1998 trat er in die SPD ein, jedoch verließ er sie sie 2004 wieder, um die „Wahlalternative Arbeit und soziale Gerechtigkeit“ (WASG) zu gründen. 2005 zog Ulrich dann als Listenkandidat in den Bundestag ein und ist dort bis heute vertreten. Nach der Fusion mit der LinksparteiPDS zur Partei „Die Linke“ trat Ulrich für die neu
geschaffene Partei an und ist seit 2009 ihr parlamentarischer Geschäftsführer im Bundestag. 2013 übernahm er den Landesvorsitz in seinem Heimatbundesland Rheinland-Pfalz.

Prof. Dr. Christian Hagist
Professor für generationsübergreifende Wirtschaftspolitik an der WHU - Otto Beisheim School of Management

Prof. Dr. Hagist ist studierte von 1998 bis 2003 Volkswirtschaftslehre an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg und an der University of Wisconsin-Madison (USA). Nach seinem Abschluss als
Diplom-Volkswirt war er wissenschaftlicher Angestellter beim Forschungszentrum Generationenverträge der Universität Freiburg sowie Visiting Scholar bei Prof. Laurence J. Kotlikoff an der Boston University (USA). Vor der Übernahme der Professur an der WHU war Christian Hagist Akademischer Rat an der Universität Freiburg und wurde dort 2012 habilitiert. Forschungs- und Lehraufenthalte führten Prof. Dr. Hagist an die Universität Bergen in Norwegen und an die Université Paris XII in Frankreich. Er wurde sowohl vom Deutschen Bundestag als auch vom Landtag
Nordrhein-Westfalens zu Anhörungen geladen.

Prof. Christian Hagist
Professor für generationenübergreifende Wirtschaftspolitik, WHU - Otto Beisheim School of Management

Prof. Dr. Hagist ist studierte von 1998 bis 2003 Volkswirtschaftslehre an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg und an der University of Wisconsin-Madison (USA). Nach seinem Abschluss als Diplom-Volkswirt war er wissenschaftlicher Angestellter beim Forschungszentrum Generationenverträge der Universität Freiburg sowie Visiting Scholar bei Prof. Laurence J. Kotlikoff an der Boston University (USA). Vor der Übernahme der Professur an der WHU war Christian Hagist Akademischer Rat an der Universität Freiburg und wurde dort 2012 habilitiert. Forschungs- und Lehraufenthalte
führten Prof. Dr. Hagist an die Universität Bergen in Norwegen und an die Université
Paris XII in Frankreich. Er wurde sowohl vom Deutschen Bundestag als auch vom
Landtag Nordrhein-Westfalens zu Anhörungen geladen.

Prof. Dr. Eva Walther
Repräsentantin "Wissenschaft gegen TTIP"

Frau Dr. Walther ist Professorin für Sozialpsychologie an der Universität Trier. Sie hat an der Philipps-Universität Marburg, der Universität Giessen und der Universität Heidelberg studiert wo sie dann auch promovierte und habilitierte. Ihre berufliche Karriere führte Sie zudem als Post-Doktorandin an die New York University und als Gastprofessorin an die TU Chemnitz bis sie schließlich 2015 als Leiterin der Abteilung Sozialpsychologie zur Universität Trier kam. An dieser Diskussionsrunde wird Frau Dr. Walther auch als Vertreterin der Initiative "Wissenschaft gegen TTIP" teilnehmen, einer Gruppe die sich einem Stopp der geheimen Verhandlungen über das Freihandelsabkommen TTIP sowie einer verantwortungsvollen Politik für eine nachhaltige und zukunftsfähige Gesellschaft verschrieben hat.

forumWHU 2016

“Europa am Scheideweg – In welche Richtung gehen wir”
17. bis 19. November 2016
WHU - Otto Beisheim School of Management, Vallendar

Early Bird Ticket 45€